Die gute Tat
 

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„Scheff“ Henning Brinkmann (rechts) von der Dresdner Bank übergibt Steffen Wilhelm, verantwortlich fürs Ehrenamt in der Diakonie Stetten, einen Scheck.
Da sieht man wenigstens, was man geschafft hat: Die stolzen Kräuterspiralen-Bauer.

Als Freiwilliger in der Diakonie Stetten: „Weil Hilfe gebraucht wird und notwendig ist.“

Beim Teamtag einer Abteilung der Dresdner Bank begegnen sich zwei Welten und beide fühlen sich beschenkt

Statt Anzug und Krawatte waren kurze Hosen und T-Shirts angesagt, statt Zahlenkolonnen am Computer Heckenschere und Hacke: 35 „Bänker“ machten am Samstag, 4. Juli 2009 Arbeitsdienst im Wohnheim für Menschen mit Behinderungen der Diakonie Stetten in der Esslinger Richard-Hirschmann-Straße. Sie legten eine Kräuterspirale an, stutzten Hecken und strichen ein Zimmer. Wichtiger noch war aber die Begegnung zweier Welten, die sonst wenig miteinander zu tun haben.

„Sie würden manche nicht wiedererkennen, wenn Sie die im Büro sehen“, glaubt Henning Brinkmann. Er ist Abteilungsleiter für die Region Südwest der Dresdner Bank und bekam am Morgen von seinen Mitarbeitern einen Schutzhelm mit der Aufschrift „Scheff“ verpasst – irgendwo soll die Hierarchie wohl doch sichtbar bleiben. Ansonsten darf der Chef ebenso ranklotzen und schwitzen wie die anderen. Schließlich war es seine Idee, im Anschluss an die Jahres-Team-Sitzung der Abteilung „Cash-Management & Customer Service“ mal was anderes zu machen: kein Kart-Fahren oder Klettern im Wald wie in den Vorjahren, sondern Zupacken in einer sozialen Einrichtung.

Sinn davon ist, dass das Team zusammenwächst, dass die Mitarbeiter sich gegenseitig kennenlernen, aber auch ihre eigenen Grenzen – und die Begrenztheit ihres Horizontes. Sie erlebten hier eine „ganz andere Welt“, sagt Brinkmann. Er hat das Wohnheim im Vorfeld besucht und war schwer beeindruckt von seinem Alltag und vom Engagement der Mitarbeiter, die einen „nicht gerade überbezahlten Job haben“, wie er weiß.

Jetzt sitzen einige der Heimbewohner unter den Sonnenschirmen im Hof und beobachten, was die „Bänker“ da treiben. Von einem Balkon tönt gelegentlich Applaus und Gesang. Man war sich aber auch schon richtig nahe: Gemeinsam haben Behinderte und Nicht-Behinderte das Vesper gerichtet, sich gegenseitig „beschnuppert“ und sind ins Gespräch gekommen.

Gespräche wird es an diesem Tag noch mehr geben, auch wenn sie oft anders verlaufen als zwischen Bank-Mitarbeitern und Kunden. Eine Bewohnerin spricht immer und immer wieder die Gäste an und beginnt zu erklären, wo sie wohnt. Bänkerin Stephanie Bollmann lässt sich schließlich von ihr das Zimmer zeigen. Danach unterhält sie sich mit einer anderen Frau ausgiebig über die richtige Pflege von Sonnenblumen – die Dame hatte eine gebracht und freut sich, dass Bollmann in dem Beet, das sie vorher mit ihren Kolleginnen entkrautet und neu gestaltet hatte, einen Platz dafür findet.

Die Kollegen widmen sich dagegen in der Mehrzahl einer Kräuterspirale, die sie angelegt haben und jetzt bepflanzen. „Ist das Basilikum?“, fragt einer, „Für was braucht man eigentlich Ysop?“ ein anderer. Landschaftsgärtnerin Andrea Traub überwacht das Ganze und lobt ihre „Zeitarbeiter“: „Sie sind fleißig, gelehrig und sehr motiviert.“ Stolz sind sie am Ende auch. „Das sieht richtig gut aus, das machen wir jetzt auf der Dachterrasse bei uns auch“, meint Markus Schorpp. Eigentlich hätten sie sich das gar nicht zugetraut, gestehen die jungen Herren, die bei der Arbeit unter der stechenden Sonne rote, verschwitzte Köpfe bekommen haben.

Chef Henning Brinkmann hat derweil mit einem Kollegen wild wucherndes Grün zurückgeschnitten und bergeweise abtransportiert. Etwas schattiger und geruhsamer hat es das Team, das das Wachzimmer im Wohnheim in Maisgelb streicht.

Die Materialkosten tragen die Freiwilligen ebenfalls komplett selbst, aufgestockt durch einen Zuschuss der Firmenleitung. Rund 1200 Euro haben sie im Vorfeld gesammelt. Mit diesem Betrag ist nicht nur das komplette Material für Garten- und Streicharbeiten abgedeckt, er reicht auch noch für eine neue Sitzbank: „Wer Zeit schenkt, wird selbst beschenkt“, steht auf dem Widmungs-Schildchen – ein Spruch, den Brinkmann bei der Diakonie Stetten „ausgeliehen“ hat, weil er ihn so passend findet. Schön, wenn sich beide Seiten beschenkt fühlen: „Das, was Sie hinterlassen, wird uns immer an Sie erinnern“, sagt Ursula Gössl-Schurr, Fachbereichsleiterin der Diakonie Stetten „aber noch wichtiger ist uns einfach die Zeit mit Ihnen.“

Auch die Freiwilligen von der Bank sollen eine Erinnerung bekommen: Bewohner Dirk Haußmann übergibt ihnen ein Bild aus der Kunstwerkstatt des Wohnheims. Die Zahlenreihe 1234 ist darauf abgebildet, waagrecht, senkrecht und auch mal gespiegelt – mal ein ganz anderer Blick auf die Geldströme in der Bank.

Text/Fotos: Karin Ait Atmane